Impressionen von der Studienfahrt nach Buchenwald vom 13|06 - 17|06|2016

Am Lagertor
Am Lagertor

Tag 1 | 13|06|16 Erste Begegnungen

Im Seminarraum...
Im Seminarraum...
...und am Modell des Lagers.
...und am Modell des Lagers.

So, nun ging es für mich zum zweiten Mal in die schöne Stadt Weimar, aber nicht um mir die Stadt anzuschauen, sondern für den Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Ich kannte diesen Ort des Terrors schon aus dem Jahr 2013. Vor der Fahrt hatte ich keine besonderen Fragen, doch mit der Ankunft stellte ich mir wieder die eine Frage: "Warum?". Nachdem ich meinen zwei Freunden Fabian und Rouven eine kleine Führung gegeben hatte, erinnerte ich mich an meine Gedanken, die ich hier schon einmal hatte. Eigentlich dachte ich, dass ich schon einigermaßen immun gegen die schrecklichen Geschichten bin, doch das bin ich nicht. In Krematorium kam dann alles wieder hoch, vor allem der beißende Geruch der Asche, die nach über 70 Jahren immer noch in der Luft lag. Diesen Ort des Terrors sollte man nicht einfach in Vergessenheit bringen, man soll - beziehungsweise muss - dagegen ankämpfen, dass sowas Schlimmes nicht noch einmal passiert.

Florian Braun, 17 Jahre


Am ersten Tag hat mich am meisten bewegt, dass wir uns das Krematorium angesehen haben. In einem Raum zu stehen, wo so viele Menschen verbrannt worden sind, ist ein echt komisches Gefühl. Am schockierendsten fand ich, dass es dort einen Keller gab, wo 1100 Menschen erhängt wurden.  

Wir waren heute auch in dem umgebauten Pferdestall. Dort wurden russische Gefangene hingebracht mit der Ausrede, dass sie dort einen ärztlichen Test unterzogen werden. Es gab dort einen Raum, aus dem man Musik hörte und die Gefangenen mussten durch mehrere Schallschutztüren gehen. Es hat mich sehr mitgenommen, dass dann keine Tests gemacht wurden, sondern beim Messen der Körpergröße hat einer von der SS Klopfzeichen gegeben und ein weiterer SS Mann erschoss den Häftling durch einen Genickschuss. 

Katharina, 15 Jahre


Jedes Jahr fährt die Heinrich-Böll in ein ehemaliges Konzentrationslager, um den Schülern die Hintergründe des Konzentrationslagers näher zu bringen. Heute um 6:30 Uhr sind wir von der Schule mit dem Reisebus losgefahren, um das ehemalige KZ Buchenwald zu besuchen. Wir kamen um 11:45 Uhr an - dann gab es erst mal Mittagessen, anschließend wurden die Zimmer bezogen. Zuerst haben wir uns in dem Konferenzraum getroffen, um die ersten Informationen zu erhalten und die Hintergründe des ehemaligen KZ zu besprechen. Am Nachmittag im Regen haben wir eine kleine Führung durch das KZ Buchenwald gemacht. Wir haben das Krematorium besucht - und dies hat mich am meisten bewegt. Man kann nicht glauben, was dort wirklich passiert ist, dass dort so viele Menschen unter Qualen ermordet worden sind. Man sieht die Orte des Schreckens und bekommt einen Einblick und ein Gefühl, was die Häftlinge dort erlebt haben müssen. Es ist ein großer Unterschied, ob man dieses Geschehen in Büchern liest oder ob man es hautnah miterlebt beziehungsweise mal dort gewesen ist. 

Mandy Hill, 15 Jahre


Am meisten mitgenommen hat mich die Genickschussanlage im früheren Pferdestall, da die Häftlinge dort alleine durch einen langen Gang gehen mussten. Die anderen Häftlinge waren in einem anderen Raum. Nebenan war ein Raum mit Musik, damit man nicht hörte, wenn ein Häftling erschossen oder geschrien hat. Dort wurden russische Kriegsgefangene umgebracht.  Als Befürchtung habe ich, dass wir erstens zu viele Informationen bekommen und zweitens sie nicht so schnell verarbeiten können.

Laura Schilling, 16 Jahre


Am meisten berührt hat mich, dass vor dem Verbrennungsöfen Blumen lagen. Dies symbolisiert die Trauer, die bis heute noch tief in den Herzen und Köpfen der Menschen verankert ist.

Manjolla Gashi, 15 Jahre


Heute am ersten Tag fand ich die Fahrt nach Weimar richtig lustig und man konnte sich mit neuen Menschen anfreunden.  Als wir hier in Buchenwald angekommen sind, war ich erstmals überrascht, wie groß die alten SS-Gebäude waren. 

Später sind wir zum Krematorium gegangen und zum nachgebauten Pferdestall.  Als wir dort drinnen waren, hatte ich ein unwohles Gefühl. Der Geruch war extrem ekelhaft. Man kann sich schlecht vorstellen, dass dort früher sehr viele Menschen erschossen und verbrannt worden sind. Es ist trotzdem eine gute Erfahrung, sowas mal gesehen zu haben.

Im nachgebauten Pferdestall war es von den SS Soldaten sehr schlau gemacht, wie sie es angestellt haben, die Gefangenen zu täuschen, bevor sie sie erschossen haben. 

So eine Erfahrung, so etwas gesehen zu haben, werde ich nicht so schnell vergessen.

Denise Brinkmann, 15 Jahre


Heute haben wir schon für mich etwas sehr Bedeutendes gesehen. Zuerst waren wir in den Arrestzellen und dann im Krematorium. Die Verbrennungsöfen waren für mich sehr schlimm. Es gab Sachen, die noch original von früher sind. Außerdem war man einfach in den Räumen, wo die Leute umgebracht oder verbrannt worden sind. Für mich war es ein sehr erschreckendes Gefühl, in den Räumen zu stehen, wo so viele Leute umgebracht wurden. Ich habe immer daran gedacht was wäre, wenn dort auch jemand aus meiner Familie gestorben wäre und ich dies in den nächsten Tagen bei den ganzen Exkursionen herausfinde. Man hat zwar früher schon viel über Konzentrationslager und auch Buchenwald erfahren, aber wenn man dort ist, kann man das alles noch viel besser verstehen und sich vorstellen. Ich kann mich jetzt viel mehr in die Leute hineinversetzen. Auch das wir in den ehemaligen SS-Kasernen wohnen, finde ich seltsam und bedrückend. Diese Leute waren es, die die Menschen festgehalten und ermordet haben - und wir schlafen jetzt in diesen Häusern. Auch wenn die Geschehnisse sehr lange vorbei und die ehemaligen Kasernen heute eine Jugendbegegnungsstätte sind, ist es für mich immer noch ein sehr seltsames Gefühl, dass alles live zu sehen und nicht nur auf Bildern. Diese Erfahrung, die wir bis jetzt hier schon gemacht haben, werde ich nie wieder vergessen.

Julia Häfner, 17 Jahre


Ich fand den ersten Tag in Buchenwald sehr interessant, aber auch sehr erschreckend. 

Ich habe nach der Ankunft die „scheinheilige“ Gegend erkundet und fand mich in einer netten friedlichen Umgebung wieder. 

Erstaunlich waren für mich die Bilder und Reportagen vom KZ Buchenwald, die in den Gängen der Jugendbildungsstätte hingen. Gruselig wurde es aber erst hinter dem berühmten Tor vom ehemaligen KZ. Ich habe den ersten Teil der Führung mit großem Interesse verfolgt, jedoch am Krematorium habe ich es nicht mehr ausgehalten. Die Tatsache, die ich sonst so nur von „harmlosen“ Bildern kenne, bewahrheiteten sich beim Eintritt in das Krematorium.  Aus Angst und Unwohlsein verließ ich das Krematorium frühzeitig.  Auch das Modell des ehemaligen Lagers fasziniert mich sehr, vor allem die Gliederung und Organisation der Anlage sind bemerkenswert. 

Im Großen und Ganzen habe ich hier einen schönen ersten Tag erlebt. Ich freue mich auf den morgigen Tag.

Nick Deutscher, 16 Jahre


Am 13.7.2016 um 6:30 Uhr ging es nach Buchenwald. Nach 5 Stunden Fahrt kamen wir im ehemaligen KZ Buchenwald an.

Es kamen für mich die ersten Gefühle wieder hoch, die ich in Ausschwitz gehabt habe, nämlich Wut und Trauer zugleich.  Wut aus dem Grunde, weil so viele unschuldige Menschen sterben mussten und Trauer, weil mir die Menschen Leid tun, die ihre Angehörigen verloren haben.  Als wir durch das Eingangstor gegangen sind und ich das Krematorium gesehen habe, kamen mir Fragen in den Kopf,  wie z.B.  „Warum? Wieso?“ Ich ging über das KZ Gelände mit Schweigen, es war einfach so still, dass man jeden Vogel zwitschern hörte. Ich bin gespannt auf die nächsten Tage…Ich hoffe, wir haben besseres Wetter als heute.

Ynaara Emminghaus, 16 Jahre


Der erste historische Einblick, der mir direkt einen Film im Kopf abspielen ließ, war der, als ich vor dem Wachtor stand. Szenen aus Filmen wurden zum Leben erweckt.  Was mich persönlich sehr zum Nachdenken erregte war die Situation, als wir in den Arrestbauten waren. Die Zellen waren erschreckend klein - man muss sich vorstellen, wie ganz viele Menschen auf engen Raum eingesperrt wurden, unter unmenschlichen Bedingungen. Sehr schlimm fand ich vor allem, dass man sich die Toiletten teilen musste. Dies empfinde ich als sehr erniedrigend, da dies ein sehr intimer Akt ist. Die Zäune, die um das ganze Gebiet aufgestellt wurden, hatten ein sehr starkes Bild ausgedrückt: Dass die Menschen dort wie Tiere zusammen gehalten worden sind. Sehr verachtend war, dass der Zaun aus Stacheldraht bestand. Sehr emotional bin ich geworden, als wir die Vernichtungsöfen sahen. Mir liefen wieder und wieder Abschnitte aus Filmen durch den Kopf, die mich erschauern ließen, da dieser Ort bestätigt, dass die zahlreichen Filme Realität sind. Alles ist wirklich passiert.  Am schlimmsten war es im Keller: Die steile Holzrutsche half mir vorzustellen, wie Leichen runterrutschten und übereinander geschichtet wurden. Ich hatte einen Kloß im Hals, als ich den Aufzug sah. Sich vorzustellen, dass die Leichen dort hochgezogen worden sind wie Waren war für mich eine sehr menschenverachtende Vorstellung.

Suzan Eda Aras,15 Jahre


Am meisten hat mich das Krematorium und die Genickschussanlage bewegt. Mich hat es beängstigt, was Menschen alles tun, um einen Tod zu verheimlichen oder um eine Rasse auszulöschen. Es hat mich sozusagen zerrissen, als ich das Krematorium gesehen habe. Ich habe gedacht, das das nur alles vorgespielt war. 

Konstantin Hummel, 15 Jahre

Beim Rundgang auf dem SS-Kasernengelände
Beim Rundgang auf dem SS-Kasernengelände
Heute sind wir in Buchenwald angekommen.  Anders als in Auschwitz konnten wir das Lager noch nicht direkt sehen, sondern zunächst erst die alten SS-Kasernen. Nach dem Beziehen unserer Zimmer hab ich mit Florian und Fabian auf dem Weg zum Lager gemacht. Das Eingangstor mit der Uhrzeit der Befreiung und der zynische Satz:“ Jedem das Seine“ erinnerte mich zum Teil an das große Eingangstor von Auschwitz. Buchenwald, ein Ort, wo schreckliche Geschehnisse wie das Sterben von Häftlingen im Alter von 2-85 Jahren zum Alltag gehörten - und dazu dann schönes Wetter und Sonnenschein. Was für eine Ironie. Von den Barracken waren nur noch Umrisse zu erkennen. 71 Jahre nach der Befreiung war der grausame Geruch von der Asche der verbrannten Menschen immer noch im Krematorium. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Trotz des großen Leids im Lager gab es einen kleinen Zoo für SS-Familien zum Vergnügen. Schön und gut - ein paar Bären und Affen sind interessant zu beobachten, aber wenn man sich einmal umdreht und die abgemagerten Menschen sieht, zeigt es mir, wie egal den Nazis dieses Leiden war. Eine Frage hab ich mir gestellt:“ Wieso zum Teufel haben die Bewohner von Weimar gesagt, sie wüssten nicht, was im Lager abging?“ Da haben die Häftlinge wesentlich mehr Mut bewiesen, wenn sie z.B. in den Fabriken Widerstand leisteten, indem sie Waffen sabotierten. Gemischte Gedanken gingen mir im Laufe des Tages durch den Kopf.    
 
Rouven Beltrup, 18 Jahre 


Mich hat es förmlich zerrissen, als wir die Krematorium und in die Genickschussanlage gesehen haben. Ich konnte und wollte nicht glauben, was mir erzählt wurde. Es kam mir irgendwie so vor, als wäre das alles hier nicht echt, sondern nachgebaut. Ich konnte einfach nicht glauben, dass Menschen sowas gemacht haben können. 

Paul Reindl, 15 Jahre 


Meine ersten Einblicke in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald verschafften mir sehr emotionale Momente, wie z.B. in den Arrestbauten, wo bis zu zehn Häftlinge gleichzeitig eingesperrt wurden. Das Schlimme daran war, dass solch eine Zelle nur für einen Häftling geeignet war. Eine andere Sache, die mich sehr mitgenommen hat, war dass den Häftlingen ihr hab und Gut weggenommen wurde. Sobald sie im Konzentrationslager ankamen, wurden sie geschlagen oder es wurden medizinische Experimente mit ihnen gemacht, die sehr unmenschlich waren. Die andere Sache, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat, war dass die Gefangenen markiert wurden mit so genannten Winkeln. Unterteilt wurde in politischer Häftling, Juden, Kriminelle, Homosexuelle, Sinti und Roma, so genannte Asoziale und Ausländer generell. Zu wissen, wozu die Krematorien gedient haben, lässt einen kalt ums Herz werden. Die SS verübte unmenschliche Gräueltaten gegenüber den Kriegsgefangenen. Dass den Häftlingen all das genommen wurde, was eigentlich jedem Menschen zusteht - nämlich die intime Privatsphäre - ist unglaublich. Was ich noch total erschreckend und erniedrigend finde ist, dass die Häftlinge gar nichts mehr Wert waren - weder ihr Leben noch ihre Anwesenheit. Sie war waren nur noch eine Nummer. 

Leona Chudy, 15 Jahre 


Heute 13.06.16 fuhr unser Bus um 6.30 Uhr von unserer Schule los. Um 11:30 waren wir dann in Buchenwald angekommen.  Als man aus dem Bus stieg, hatte man schon ein mulmiges Gefühl im Bauch. Zunächst gab es Mittagessen. Daraufhin folgte das Beziehen des Zimmers in einer alten SS-Kaserne. Mit der pädagogischen Mitarbeiterin Frau Schmitz ging es nun nach einer Vorstellrunde und Erklärung von Bildern, welche wir uns aussuchen durften, die zeigen sollten, wie wir uns ein KZ vorstellen. Danach haben wir eine Besichtigung des Hauptlagers durchgeführt.  Auf Grund von schlechten Wetterbedingungen haben wir uns nur den „Bunker“ und das Krematorium angesehen.  Als man den Bunker sah, konnte man sich gar nicht vorstellen, was alles Grauenvolles dort durchgeführt wurde.  Als man durch das Haupttor ging, war es ein sehr emotionales und respektvolles Gefühl. Danach gingen wir zum Krematorium und zuerst durch die Pathologie.  Als erzählt wurde, was hier alles geschehen ist, wurde einem erst richtig klar, was für eine Qual dies alles für die Menschen war. Als wir dann vor den Öfen standen, wo die Leichen verbrannt wurden, bekam ich ein mulmiges Gefühl.  Auch der Geruch, als man davor stand, war sehr bedrückend.  Als nächstes gingen wir in den Keller, wo auf einer Höhe von 2,40m Haken angebracht wurden. Dort wurden die Menschen im KZ gehängt. Im selben Gebäude war die Genickschussanlage der SS. Dort kamen die Inhaftierten hin und wurden vermessen.  Als die Größe von ihnen vernommen wurde, stand ein SS Mann hinter ihnen in einem separaten Raum, wo er nicht gesehen werden konnte, und schoss den Inhaftierten nieder. 
Danach gingen wir zurück in unsere Zimmer und konnten über alles nachdenken. Nach dem Abendessen saßen wir noch einmal zusammen an einem Modell des Lagers und besprachen, wo etwas lag und ich war fasziniert von der Struktur des Lagers. 
  
All umfassend konnte man eine sehr erdrückende Stimmung feststellen und es ging einem wirklich alles sehr nahe. 
  
Fabian Wiemer, 18 Jahre


Besonders hat mich heute das Krematorium bewegt, da man dort eine negative Stimmung gespürt hat. Aber auf der anderen Seite konnte man einen kleinen Einblick in die Gefühle der Häftlinge bekommen. Zu meinen Befürchtungen gehört dass ich denke, dass uns zu viele Informationen hintereinander zukommen und wir das nicht schnell genug verarbeiten können. Dennoch ist das alles ein wichtiges und interessantes Thema. 
  
Sarah Fallaschinski,15 Jahre 


Die Eindrücke, die wir heute bekommen haben, waren genauso erschreckend, wie wir es schon vorher beziehungsweise aus dem Geschichtsunterricht erfahren haben. Nur ist diese hautnahe Erfahrung um Einiges eindrucksvoller, da die Enge des Raumes einen erdrückt, mit den vielen grausamen Sachen, die genau auf dem Boden passiert sind auf dem wir stehen. Ich bin mir nicht sicher, ob es noch der selbe Geruch von damals ist, welches es einem schwierig macht zu atmen, oder ob es Einbildung ist. Es wird auf jeden Fall eine erlebnisreiche Woche, die uns noch eine Weile über die Geschehnisse, die hier passiert sind, nachdenken lassen wird. 

Pia Bastan, 16 Jahre 


Mein erster Tag in der Gedenkstätte Buchenwald ist nun vorbei. Die Stimmung ist der zweigeteilt. In der Jugendherberge denkt keiner daran, dass wir uns bereits auf dem ehemaligen KZ-Gebiet befinden. Alle haben Spaß, entspannen oder reden miteinander. Aber sobald das Gelände betreten wird, ist diese Stimmung weg. Wir sind ernst, schlagartig. Man hat uns das Gefängnis, Krematorium und eine Art Hinrichtungsstelle gezeigt. Es war so schrecklich, dass einige gegangen sind. Das hat noch mehr den Schrecken gezeigt. Auch dieses Schweigen war schlimm. Keiner wollte an einem Ort für diesem reden. Endlich sind wir dann gegangen - und kaum haben wir das Gefangenenlager verlassen, besserte sich die Stimmung wieder. 

Paul Schmidt, 15 Jahre

Tag 2 | 14|06|16 SS-Kasernen, Lager, Gedenkstein, Kleines Lager, Museum

Heute morgen gab es eine weitere Führung für unsere Gruppe von der Mitarbeiterin der Gedenkstätte Buchenwald - vom SS-Kasernenplatz über den ehemaligen Bahnhof Buchenwald und die Restaurationswerkstatt, das K.L.B.-Mahnmal auf dem Appellplatz bis zum kleinen Lager und schließlich in die erst im April eröffnete neue Dauerausstellung in der ehemaligen Effektenkammer. Am Nachmittag erfolgte die Aufteilung in kleinere Gruppen: Von Archäologie an der Halde 2 im ehemaligen Lager über Arbeiten am Gedenkweg "Buchenwaldbahn" bis hin zu künstlerischen Auseinandersetzungen mit den Themen des Lagers.
In der Restaurationswerkstatt
In der Restaurationswerkstatt
Meine Oma erzählte mir, als ich sie auf die Studienfahrt nach Buchenwald ansprach, dass mein Urgroßvater ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht worden war, aber dass niemand genau weiß, was dann mit ihm passiert ist. Als ich in das Totenbuch des ehemaligen KZ Buchenwald schaute und die Daten meines Großvaters eingegeben hatte, sah ich sofort, dass er hier in Buchenwald gestorben ist. Ich habe nun seine genaue Häftlingsnummer und das Datum seines Todes. Ich hoffe, ich kann im Archiv der Gedenkstätte noch ein wenig mehr über sein Schicksal erfahren. Als ich seinen Namen im Totenbuch las, kam in mir große Trauer auf.

Fabian Wiemer, 18 Jahre


Heute habe ich an Ausgrabungen teilgenommen. Wir sind zu einer ehemaligen Baracke gegangen, um Materialien für die Ausgrabungen zu holen. Wir haben uns die Baracke angeguckt und es war erschütternd zu sehen, wie winzig die Zimmer waren, in denen 200 Häftlinge untergebracht waren.  Als der Regen nachgelassen hatte, sind wir zur Ausgrabungsstelle im Wald gelaufen. Wenige Minuten nach Beginn der Ausgrabungen fing es leider so stark an zu regnen, dass wir die archäologischen Ausgrabungen beenden mussten und wieder zurück in die Baracke gegangen sind. Dann haben wir uns alle noch mit Themen beschäftigt, die uns über Buchenwald noch interessierten.

Nico Kusnierek, 15 Jahre


Heute haben wir weitere Erfahrung im Gelände gemacht. Ein Zwischenziel war zum Beispiel die Restaurationswerkstatt. Diese war sehr interessant, weil man dort auch viele private Gegenstände von den Häftlingen gesehen hat, wie zum Beispiel einen selbst gemachten Herz-Anhänger. Danach ging's wieder durch das Haupttor auf den Appellplatz. Links von dem Eingang liegt eine große Gedenkplatte aus Metall. Diese hat einen ganz bestimmten Grund: Sie sind symbolisiert, dass 50 Nationen in diesem Konzentrationslager gelebt haben. Die Platte hat immer 37°C: Die menschliche Körpertemperatur. Sie soll daran erinnern, dass die KZ-Insassen auch Menschen waren. Anschließend ging es über den ganzen Lagerplatz mit den damaligen Baracken hinunter zum kleinen Lager und schließlich ins Museum, was sehr spannend und informativ war. Nach dem Mittagessen ging es dann wieder in verschiedenen Arbeitsgruppen. Ich war in der Gruppe, die an dem Gedenkweg Buchenwaldbahn gearbeitet hat. Diese Arbeit war für uns alle sehr anstrengend - aber natürlich nichts gegen die Strapazen, die die Häftlinge früher erleiden mussten. Wir gingen zunächst mit den Schubkarren und dem Arbeitsgerät die alte Bahnstrecke entlang, vorbei an den noch sichtbaren Stücken der Bahn, vorbei an den Massengräbern, wo die Insassen des sowjetischen Speziallagers beerdigt wurden. Als wir endlich am richtigen Ort angekommen sind, hat Heiko uns erzählt, was unsere Arbeit war:  Wir mussten Rindenmulch auf dem Weg verteilen, um diesen zu stabilisieren und vor Erosion zu schützen. Nach 4 Stunden Arbeit sind wir wieder in unserer Jugendherberge angekommen. Ich kann mich jetzt noch besser in die Lage der Arbeiter der Bahnstrecke hineinversetzen. Diese mussten eine noch viel härtere Arbeit machen als wir.  Wir waren nach unserer Arbeit sehr erschöpft. Erschreckend ist auch, dass von den 1100 Häftling, die an der Strecke gearbeitet haben, jeder dritte gestorben ist.

Julia Häfner, 17 Jahre

 

Heute wurden wir in Gruppen eingeteilt. Ich und zwei andere haben uns für das Arbeiten in der Kunstwerkstatt entschieden. Wir hatten zahlreiche Angebote von Motiven aber auch viel Auswahl bei der Farbwahl. Ich habe mich für eine Bleistiftzeichnung entschieden. Man erkennt einen der Häftlinge in seiner Uniform, welcher eine Mütze trägt und die Hände in den Hosentaschen hat. Sein Gesicht in Buchenwald gestorben sind. Ich bin der Meinung, dass mein Bild interessant wirkt, da der Betrachter viel Interpretationsspielraum hat.

 

Katharina Fischer, 15 Jahre

Häftling - Bleistiftzeichnung von Katharina Fischer
Häftling - Bleistiftzeichnung von Katharina Fischer

Zu Beginn wurden wir alle in Gruppen geteilt. Zwei andere Mädchen und ich haben uns mit dem Thema Kunst beschäftigt. Als erstes sind wir in die Kunstausstellung „Buchenwald“ auf dem alten Lagergelände gegangen, um Inspirationen zu bekommen. Als wir uns diese angeschaut haben, sind wir in die Kunsträume in den Kellern gegangen und haben uns in Ordnern weitere, gemalte Bilder von Häftlingen angesehen. In einem der Ordner habe ich ein Bild gefunden, welches wie ich finde, gut passte. Anhand meines Bildes kann man drei Häftlinge erkennen, die in einem Baum aufgehängt worden sind. Gemalt habe ich mein Bild mit Bleistift und Kohle und mit Absicht nicht mit Farbe. Ich war der Meinung, dass es wie das Original in schwarz-weiß bleiben sollte.

 

Sarah Fallaschinski, 15 Jahre

"Pfahlhängen" - Kohlezeichnung von Sarah Fallaschinski
"Pfahlhängen" - Kohlezeichnung von Sarah Fallaschinski
Am Dienstag haben wir um 8:00 Uhr gefrühstückt. Danach haben wir am zweiten Teil der Führung über das ehemalige Lagergelände teilgenommen. Es gab viele Dinge, die mich berührt haben - wie zum Beispiel die Obstplantagen auf dem ehemaligen Lagergelände. Dann wurden wir in Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nahm an Ausgrabungen auf dem ehemaligen Lagergelände teil, eine weitere Gruppe arbeitete an dem Gedenkweg der Buchenwaldbahn und die dritte und letzte Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema "Kunst im Konzentrationslager". Da ich sehr gerne zeichne, habe ich mich der Kunst-Gruppe angeschlossen. Ich zeichnete einen Baum, da dieser das Leben symbolisiert, denn meiner Meinung nach hat dieser Baum auch die schlimmsten Zeiten überlebt. Ich bin gespannt auf die nächsten Tage.

Ynaara Emminghaus, 16 Jahre
Baum - Ynaara Emminghaus, 16 Jahre
Baum - Ynaara Emminghaus, 16 Jahre

 

Ich habe den Zaun gewählt, weil ich diesen am bedrückendsten fand. Durch meinen Gang alleine durchs Lager habe ich nochmal bemerkt, habe was für eine bedrohliche und zerstörende Rolle dieser Zaun spielt. Den Davidstern habe ich gewählt, weil die Religion bzw. Kategorisierung das einzige war, womit sich die Menschen identifizieren konnten.

 

Konstantin, 15 Jahre

Tag 3 | 15|06|16 Gedenkweg Buchenwaldbahn, Restauration, Archiv & Weimar-Besuch

Heute ging es wieder in die einzelnen Arbeitsgruppen: Die Restaurationswerkstatt, das Archiv, die Bibliothek und den Gedenkweg Buchenwaldbahn. Die archäologischen Ausgrabungen mussten wir aufgrund des aufgeweichten Bodens nach dem intensiven Regen bis auf Weiteres verschieben. Am frühen Nachmittag ging es das runter nach Weimar - sogar mit ein wenig Sonne im Gepäck!

Mediensucht...:-)))
Mediensucht...:-)))

Tag 4 | 15|06|16 Archäologie, Restauration, Museologie, Mahnmal

Am letzten Tag unserer Studienfahrt hatten wir noch die Möglichkeit, an der Halde 2 unterhalb des ehemaligen kleinen Lagers unter Anleitung archäologische Funde zu bergen, die anschließend in der Restaurationswerkstatt gesäubert, konserviert und archiviert werden. In unserer Bildergalerie kann man die Fundstücke sehen, die wir innerhalb dieser kurzen Zeit bergen konnten. Die exklusive Führung durch die große und eindrucksvolle Musikologie, in der tausende originale und teils hervorragend erhaltene Reliquien aus der KZ-Zeit lagern, rundete den Vormittag ab. Am Nachmittag ging es noch einmal in die Kleingruppen. Nach dem Abendessen folgte ein Gang zum Mahnmal, ein eindrucksvolles Relikt aus DDR-Zeiten, welches an den Widerstand im Lager erinnern soll und die Nationalitäten würdigt, die über die gesamte Zeit des Lagers dort inhaftiert und zu Tode gekommen sind.

Von der Autobahn aus konnte man schon den Gedenkturm von Buchenwald sehen. Als wir mit dem Bus auf den Parkplatz fuhren, wir danach essen gegangen und anschließend uns unsere Zimmer zugeteilt worden sind, wirkte alles noch sehr ruhig, gelassen und entspannt. Es wirkte so gar nicht wie ein KZ, es erinnerte eher an eine normale Jugendherberge. Ich denke, keiner von uns hat es am Anfang wirklich realisiert, dass wir schon auf unseren Zimmern zum Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald gehören. Man denkt, dass es eine stinknormale Jugendherberge ist. Es wirkt so, als beginne das KZ erst hinter dem Weg, am Anfang des ehemaligen Lagertors. Es ist jedoch bemerkenswert, wie die Sachen hier teilweise in einem guten Zustand sind, wenn man bedenkt, dass diese Gebäude mehrere Jahrzehnte alt sind. Zudem sind sie ja auch schnell und unter Druck gebaut worden und mussten deshalb oft restauriert werden. Wenn man das Tor sieht, bekommen meiner Meinung nach die “Bilder Farbe“. Ich persönlich kann mir dort (leider) sehr gut vorstellen, wie das hier früher alles abgelaufen sein muss. Jedoch glaube ich, dass der “schlimmste Teil“ für unsere Gruppe bereits am ersten Tag war, weil wir direkt am ersten Tag in den Folterstätten und in dem Krematorium waren.

 

Felix Wolinski, 16 Jahre

 

Heute bin ich ein weiteres Mal um das Konzentrationslager joggen gewesen. Gegen kurz vor 22:00 Uhr habe ich mich beim Einbruch der Dunkelheit auf den Weg gemacht. Zu Beginn konnte ich die noch erhaltenen Wachtürme am Rande sehen. Die Fenster waren zur Seite in Richtung Lager gerichtet. Es war ein ungewöhnlich beängstigendes Gefühl, die Strecke zu laufen. Mit häufigem Blick auf das Lager kam ich mir wie ein SS-Wachmann vor, der bei seinem Rundgang seinen Blick auf das KZ-Gelände richtete. Unterwegs auf meinem „Wachrundgang“ bzw. meiner Strecke, kam ich an der alten Kläranlage vorbei. Auch viele Jahre nach der Befreiung, war der beißende Geruch in der Luft. Ein Moment der Fassungslosigkeit traf mich. 70 Jahre später und der Geruch war nicht verflogen…

Das letzte Stück meiner Strecke ging ziemlich lange bergauf. Es war nicht steil, aber zeigte die lang anhaltende Wirkung. Ich lief zum Teil auf den alten Straßen, welche in und um das Lager herum waren. Die Straße raubte mir die letzte Kraft, auch wenn ich nicht unsportlich bin. Ich konnte durch meine Anstrengungen mir denken, wie es den Häftlingen in ihren Holzschuhen und mit mangelnder Ernährung ging, wenn sie auf diesen Straßen laufen mussten. 

 

Rouven, 18 Jahre